Danke!

Am Ende der Lesung steht eine Frau auf und sagt: „Ich würde mir gern von einem in Deutschland geborenen schwarzen Menschen erklären lassen, warum es schlimm für manche ist, wenn man fragt, woher sie kommen.“ Stille im Publikum, es ist kein schwarzer Mensch da.

„Puh, ich bin’s zwar nicht, aber vielleicht kann ich’s ja versuchen“, sage ich. Etwa 70 Gäste sitzen bei der Premierelesung meines Romans im Wintergarten in der Varrentrappstraße 53 in Frankfurt, wo der Größenwahn Verlag beheimatet ist. Es gab Bienenstich zum Empfang und nach der Lesung internationales Essen und Wein. Die Fragen aus dem Publikum drehen sich um Kultur: „Was verstehen Sie darunter?“, Integration: „Es ist doch etwas, das nicht nur die Ankommenden betrifft?“, oder mit direktem Bezug zum Buch, das autobiografische Momente enthält: „War es tatsächlich so passiert?“

Und eben auch die Frage, warum manche es als Diskriminierung empfinden, wenn sie nach ihrer Herkunft gefragt werden. „Es ist keine Frage, die ich gleich am Anfang eines Gesprächs stellen würde“, sage ich, „es kommt darauf an, in welchem Kontext und wie sie gestellt wird.“ Die Fragende meint, ihr gehe es um das Interesse an dem Menschen. Sie wolle mehr über seinen Hintergrund wissen, ihn besser einschätzen.

Eigenartigerweise beschäftigt mich ihre Frage nun auch nach der Lesung am meisten. Nicht, weil sie etwas direkt mit mir zu tun hat. Ich versuche zu verstehen, wann sich jemand unangenehm fühlt, wenn er oder sie das gefragt wird. Ich kann mir vorstellen, dass es unangenehm ist, nach seiner Herkunft gefragt zu werden, wenn es im Gespräch sonst gar kein Thema ist; oder wenn jemand befürchtet, aufgrund früherer Erfahrungen mit seinen Antworten, diskriminiert zu werden; oder einfach aus etwaigen anderen persönlichen Gründen. Diskriminierend finde ich die Frage an sich jedenfalls nicht. Es kommt zu sehr auf die Umstände an, in denen sie gestellt wird.

Die Frau, die ich erwähnte, ist in Deutschland geboren, ihre Eltern stammen aber aus dem Baltikum, hatte sie erzählt. Nach der Lesung kauft sie zwei Bücher, lässt eins für sich signieren und in das andere wolle sie „всего хорошего“ (alles Gute) in kyrillischen Buchstaben geschrieben haben. „Es ist ein Geschenk, die sollen mal rätseln, was das heißt“, sagt sie und lacht.

Ganz herzlichen Dank an alle Gäste, die da waren. Wer nicht da war, kann im oben verlinkten Video den ersten von drei gelesenen Textabschnitten sehen.

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